Frischzellenkur für die zweite Halbzeit

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Der Kia Rio hat ein fast zeitloses Design. Den koreanischen Kleinwagen gibt es grundsätzlich als Fünftürer. In der GT Line-Ausführung haben die Designer das Auto in der vierten Generation aufgefrischt. Foto: Dönges

Seit annähernd vier Jahren befindet sich die aktuelle vierte Generation des Kia Rio auf dem Markt. Das bedeutet für den hierzulande recht erfolgreichen kleinen Koreaner: Es herrscht Halbzeit in seinem Lebenszyklus. Daher hat ihm Kia eine obligatorische Frischzellenkur verabreicht. Der optische Hingucker und zugleich das technische Spitzenmodell der Baureihe ist der Rio 1.0 T-GDI als 48-Volt-Mildhybrid mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Wir hatten die 120 PS-Spitzenmotorisierung in der sportlichen GT Line im Fahrtest. Sie steht ab 23 700 Euro mit vielen Extras und Assistenzsystemen bei den Händlern.

Auch der Rio trägt bei Kia als Grill die „Tigernase“. In der GT Line ist der Frontstoßfänger mit markanten Nebelscheinwerfern tief herunter gezogen. Foto: Dönges

Zunächst einmal: Von außen hat sich recht wenig getan. Kia hat das immer noch moderne Design gegenüber dem Vorgängermodell nur leicht nachgeschärft und spricht von „weiter ausgefeiltem Design“. Neue LED-Scheinwerfer umrahmen den etwas schmaleren Kühlergrill in der typischen Form der „Tigernase“. Der darunter sitzende, breitere Frontstoßfänger ist tiefer gezogen und beinhaltet besonders markant gestaltete Nebelscheinwerfer. Charakteristisch für den den Rio GT Line sind zudem der Sportstoßfänger am Heck mit Diffusoroptik und Doppelrohrauspuff und die Rundum-Verspoilerung, die sportlich „on top“ ausschaut, aber auch ihre kleine Tücken hat: Sie kostet Bodenfreiheit. So ist beim Einparken nach vorne Vorsicht angesagt, um nicht auf den eventuell zu hohen Bord- oder Randstein aufzufahren.

Bedienung logisch aufgebaut

Das Heck des Kia Rio deutet an, dass die GT Line durchaus Power unter der Haube hat. Satt und breit und tief steht der Kleinwagen selbstbewusst da. Foto: Dönges

Wesentlich mehr hat sich im Innenraum des Rio getan, obwohl er erfreulicherweise die klassischen analogen Instrumente behält. Die dazwischen liegende Anzeige ist leicht von 3,5 auf 4,2 Zoll gewachsen. Gelungen ist auch der neue 20,2-Zentimeter-Touchscreen des Multimediasystems in seiner besten Ausführung von sieben (17,8 Zentimeter) auf acht Zoll. Die Bedienung des Systems ist logisch aufgebaut. Zudem lassen sich nun zwei Smartphones gleichzeitig kabellos ins System einbinden, um zu telefonieren und Musik zu streamen. Darüber hinaus lässt sich der Bildschirm mittels der Split-Screen-Funktion teilen. So können etwa neue Apps konfiguriert werden, ohne die Routenführung zu unterbrechen.
Auch bei der Navigation ist der kleine Koreaner nun „up-to-date“. Dank UVO Connect sowie einer integrierten Sim-Karte arbeitet das Navi mit Verkehrsdaten in Echtzeit. Mit der Online-Navigation kann das Infotainment außerdem die Ankunftszeit genauer berechnen. Eine Sprachsteuerung ist ebenso mit an Bord wie der DAB+-Radioempfang. Trotz der vielen Funktionen erweist sich das Multimedia auf Anhieb als selbsterklärend, und die Routenführung lotst einen zuverlässig ans gewünschte Ziel. Dafür erfordern die vielen Knöpfe auf dem sportlichen Multifunktionslenkrad eine Eingewöhnung. Hat man sich jedoch an die Tastenflut gewöhnt, erweist sich auch deren Bedienung als problemlos händelbar.

Etliche Fahrerassistenten

Zugelegt hat der Rio bei den Fahrerassistenten. Die City-Notbremse erkennt neben Fußgängern nun auch Radfahrer. Neu für den Rio ist ebenso die Verkehrszeichenerkennung, und für die GT Line mit Topmotorisierung steht jetzt ein adaptiver Tempomat im Angebot. Darüber hinaus verfügt die DCT-Variante exklusiv über einen Spurwechselassistenten und Querverkehrswarner, die im Notfall einen eigenständigen Bremseingriff durchführen können.

Kia bemüht sich zudem, im Innenraum durch Applikationen in Alu- und schwarzer Hochglanzoptik sowie mit einer silberfarbenen Einlage am Armaturenbrett mehr Wertigkeit zu vermitteln. Gleichwohl verwenden die Koreaner reichlich Kunststoff, der allerdings nicht billig ausschaut und sehr gut verarbeitet ist.

Viel Platz im kleinen Kia

Über 1100 Liter schluckt der Kofferraum des kleinen Rio GT Line. Die Heckklappe schwingt weit auf und schützt damit auch Großgewachsene vor Kopfbeulen. Foto: Dönges

Das Platzangebot zählt nach wie vor zu den Stärken des 4,07 Meter langen Koreaners. Für einen Kleinwagen fällt es geräumig aus, die Bewegungsfreiheit ist ordentlich. Als bequem erweisen sich die straff gepolsterten Sitze, und groß gewachsene Fahrer freuen sich über den weiten Verstellbereich des Mobiliars sowie des Lenkrads. Das sorgt für eine angenehme, entspannte Sitzposition – selbst in zügig gefahrenen Kurvenabschnitten. Auch im Fond sind die Gäste recht kommod untergebracht. Es herrscht genug Luft über dem Scheitel, und auch die Kniefreiheit fällt für diese Fahrzeugklasse gut aus. Auf der Rückbank lässt es sich auch zu dritt noch gut aushalten, sofern der Kia nicht auf eine lange Reise geht.

Doppelter Boden, ebene Fläche

Nichts zu meckern gibt es beim Gepäckraumvolumen. Gute 325 Liter sind es im Normalzustand. Werden die Rücksitzlehnen umgeklappt, stehen maximal 1103 Liter für Sperriges zur Verfügung. Dank des doppelten Ladebodens bleibt die Fläche zudem eben. Unter der Kofferraumabdeckung befindet sich ein Stauraum von 35 Litern. Außerdem: Die Kofferraumklappe schwingt so hoch, dass sich bis etwa 1,90 Meter große Personen keine Sorgen um ihren Kopf machen müssen.

Wie nun fährt sich der Kia Rio in der sportlichen GT-Version? Nach dem Drücken des Startknopfs brummelt der Dreizylinder kurz vor sich hin, bevor er in einen säuselnden Motorlauf fällt. Schon bei 2000 Umdrehungen setzt das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern ein. Auch oberhalb dieser Marke hängt der Rio mit seinem straff abgestimmten Fahrwerk und der direkten Lenkung gut am Gas.

Segeln“ bei null Verbrauch

Dabei reizen die Koreaner alle Möglichkeiten zur Spritverbrauch-Reduzierung aus. Nimmt Mann oder Frau den Fuß vom Gas, wird mithilfe einer elektronisch gesteuerten Kupplung der Kraftfluss unterbrochen, und der Motor schaltet sich bis zu einer Geschwindigkeit von 125 Stundenkilometer (km/h) ab. Das Prozedere heißt bei Kia „Segeln“ und bedeutet „null Verbrauch“. Ein kurzer Tipp aufs Gaspedal, und der Motor erwacht mit Hilfe des starken Startergenerators sofort und beinahe unmerklich. Zudem muss sich der Benziner beim Beschleunigen mit der Elektro-Unterstützung weniger anstrengen. In 10,2 Sekunden geht’s von null auf hundert Stundenkilometer. Bei 190 km/h endet der Vortrieb.

Ansprechender „Arbeitsplatz“: Im modifizierten Kia Rio finden sich Fahrer oder Fahrerin schnell zurecht. Der große Touchscreen ist selbsterklärend, und auch die zahlreichen Tasten am unten abgeschrägten Lenkrad sind schnell beherrschbar. Foto: Dönges

Rein elektrisch fahren wie mit Vollhybriden kann der so motorisierte Rio GT Line zwar nicht, aber rund zehn Prozent weniger Spritverbrauch sind durch das Mildhybrid-System, so Kia, gut möglich.

Den Normverbrauch gibt Kia mit 5,5 Litern Superbenzin auf hundert Kilometern an. Wir kamen bei zurückhaltender Fahrweise auf 5,9 Liter, bei zügigem Unterwegssein mit einem längeren Autobahnabschnitt auf 7,4 Liter und damit auf ein recht gutes Ergebnis.

Und schließlich: Auch die siebenjährige Garantie, die Kia aufs Auto gibt, weckt Vertrauen. Darin enthalten sind auch alle Karten-Updates für das Navigationssystem. Und sollte der Rio in diesem Zeitraum verkauft werden, werden die Leistungen auf den neuen Eigentümer übertragen.

Fakten und Technik
Kia Rio 1.0 T-GDI 120 GT Line
Maße: 4,07 m/1,73 m/1,45 m (Länge/Breite/Höhe)
Radstand: 2,58 m
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner mit 48-Volt-Technik
Leistung: 120 PS bei 6000 U/min
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung
Max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000-3500 U/min
Beschleunigung: 0-100 km/h 10,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Durchschnittsverbrauch: 5,5 l
Testverbrauch: 5,9 l
CO2-Emissionen: 108 g/km, Euro 6d
Leergewicht/Zuladung: min. 1205 kg/max. 445 kg
Kofferraumvolumen: 325-1103 l
Max. Anhängelast: 450 kg
Wendekreis: 10,2 m
Garantie: 7 Jahre (maximal 150 000 km)
Basispreis: 23 700 Euro