Noch Polo oder schon Mini-Golf?

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Nicht allzu oft hat die Phantasie der Kollegen von der schreibenden Zunft bei der Neuvorstellung eines Kleinwagens solche Kapriolen geschlagen. Da war die Rede vom „Golo“ oder auch vom „Polo, der jetzt Mini-Golf spielt“. Und in allen Wortspielen steckte ein gutes Stück Wahrheit. Nach fünf Generationen Polo mit mehr als 14 Millionen Verkäufen seit 1975 sprengt der Neue des VW-Bestsellers alle bisherigen Dimensionen. Die Nummer zwei nach dem Golf im Volkswagen-Portfolio steht ab dem 29. September bei den Händlern.

Bäume ausreißen und Ketten sprengen wird er nicht, aber mit Sicherheit ein Bestseller im VW-Portfolio bleiben. Dafür sorgt schon alleine das Design des Polo, das in der Front mit dem schmal gezeichneten Grill der des Golf sehr nahe kommt. (Foto: Dönges)

Es gab niemanden, der bei der Fahrpräsentation Ende August dem VW-Vorstandsvorsitzenden Dr. Herbert Diess widersprach. Er skizzierte bei der statischen Welt-Präsentation im Juni den neuen, kleinen Großen wie folgt: „Der Polo ist ein junges, freches Auto. Er verbindet Charisma mit starker Technik. Keiner sonst bietet soviel Raum für seine Größe. Damit ist und bleibt unser Polo der Kleinwagen Nummer eins.“ Und: „Dieser Polo bringt die Zukunft in Serie.“

[su_heading]Dauerbrenner hat Rolle des Kleinwagens abgelegt[/su_heading]

 

Seit dem ersten Stapellauf vor 42 Jahren hat der Polo in der Länge um mehr als einen halben Meter zugelegt. Damals war er der Kleinste der VW-Familie. Davon ist bei dem auf 4,05 Meter gestreckten und in wenigen Tagen aktuellen Polo nichts mehr zu sehen und zu spüren. Die sechste Generation des Wolfsburger Dauerbrenners, der zu Preisen ab 12 975 Euro angeboten wird, hat die Rolle des Kleinwagens abgelegt, fährt sich inzwischen wie ein Großer.

Breit und satt steht der Polo in der sechsten Generation auf der Straße. Er wuchs um mehr als neun Zentimeter auf über vier Meter Länge und in der Breite um knapp sieben Zentimeter. (Foto: Dönges)

Und: Er ist ein echter Hingucker, der auf seine Passagiere aufpassen will. Mit noch mehr Sicherheitsassistenten als sein Vorgänger, der seit 2009 alleine rund 4,2 Millionen Freunde fand, hat er ein Auge auf fast alles, was um sie herum passiert. Dabei ist der größte Blickfang er selbst. Dafür sorgt das komplett neue Design mit tief liegender Seitenlinie, dynamischen Sicken, neu gestalteten Scheinwerfern und insgesamt sportlichen Proportionen ganz von allein.

Kanten und Flächen sind sauber definiert. Nach dem Einsteigen registriert das Auge schicke Materialien, tadellos verarbeitet. Hinzu kommt eine ungekannte Geräumigkeit. Wie schon der Seat Ibiza nutzt auch der Polo den neuen Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns. So wuchs mit der Länge auch der Radstand um mehr als neun sowie die Breite um knapp sieben Zentimeter. Das schafft viel Bein- und Bewegungsfreiheit, vorne wie hinten. Auch der Kofferraum profitiert davon. Er schluckt mit 351 Litern stolze 71 Liter mehr als der Kompakt-Golf IV aus dem Jahr 1997.

[su_heading]Großer Bruder blitzt immer wieder durch[/su_heading]

 

Überhaupt blitzt der große Bruder immer wieder durch. Mit dem breit und schmal gezeichneten Grill, der weit nach vorne gezogenen Haube sowie dem dynamisch geschnittenen Schrägheck erscheint der Polo tatsächlich fast wie ein Mini-Golf. Eigenständig allein ist die Seitenansicht mit doppeltem Blechfalz und betonter Schulterlinie, die den nur noch als Fünftürer angebotenen Wagen nach hinten streckt.

Von mehr Größe profitiert beim Polo auch der Kofferraum. Hinter der stattlichen und weit aufschwingenden Heckklappe schluckt er 351 bis 1125 Liter. (Foto: Dönges)

Dazu lässt sich der Polo außen wie innen individuell gestalten. Mit 14 Außenfarben, elf Sitzbezügen, acht Dekoren fürs Armaturenbrett und zwölf unterschiedlichen Felgen sowie mehreren Ausstattungspaketen wird man lange nach zwei identischen Modellen suchen müssen.

[su_heading]Der Fahrer gestaltet sich das Display hinterm Lenkrad selbst[/su_heading]

Auch die Technologie übernimmt der Polo weitgehend vom Golf. Allen voran das digitale Cockpit mit dem so genannten Active Info Display. Damit lässt sich das Kombi-Instrument als 11,7 Zoll großes Display via Tastendruck am Lenkrad nach persönlichem Gusto gestalten, ob klassisch mit zwei Tachoscheiben, als schwarzes Display mit relevanten Fahr-Daten oder in der spektakulärsten Ansicht als hochauflösende Kartendarstellung auf der gesamten Fläche. In der zweiten Auflage, die im Polo Premiere feiert, ist die Ansicht noch brillanter und schärfer als bisher in Golf, Passat oder Tiguan – und mit 400 Euro auch noch günstiger zu haben. Voraussetzung dafür ist allerdings das ebenfalls optionale Infotainment-System, das sich mit je nach Ausführung 6,5 bis 8,0 Zoll großem Glas-Touchscreen inklusive Näherungssensoren (440 bis 990 Euro) plus Navigationsfunktion (565 Euro) optisch nahtlos zu einer großen Bedienfläche verbindet. Apple- und Android-Smartphones können ebenfalls via App-Connect (225 Euro) angebunden werden.

Ein Highlight des VW-Kleinwagens, der schon fast an die Kompaktklasse heran reicht, ist die Innenraumgestaltung mit dem digitalen Cockpit. (Foto: Dönges)

Auch in Sachen Sicherheit profitiert der Polo vom konzerninternen Technik-Transfer. Neben den sechs serienmäßigen Airbags lässt sich der Kleinwagen mit allen gängigen Assistenzsystemen, von der City-Notbremse inklusive Fußgängererkennung über Abstands-Tempomat, Müdigkeits- und Toter-Winkel-Warner bis zum Ein- und Auspark-Assistenten, bestücken (siehe gesonderten Text).

[su_heading] Sechs Benziner, zwei Diesel und eine Erdgas-Version[/su_heading]

Breit gefächert ist das Motorenangebot. Sechs Benziner, zwei Diesel und eine Erdgas-Version soll es geben. Zum Händlerstart Ende September gibt es allerdings erst einmal nur drei 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, wobei die beiden Einstiegsversionen mit 65 PS und 75 PS ohne Turboaufladung auskommen müssen. Der dynamischen Erscheinung des neuen Polo gerecht wird deshalb am ehesten noch das TSI-Triebwerk mit 95 PS. Die Kraftübertragung erfolgt vom Fünfgang-Schaltgetriebe bis hin zur Siebengang-Doppelkupplungs-Automatik.
Mit leichtem Knurren hüpft der muntere Motor aus den Startblöcken und absolviert mit 175 Newtonmeter (Nm) Drehmoment ab 2000 Touren jedes Fahrmanöver ohne Mühe. Der Dreizylinder hält sich beim spritzigen Geschlängel in der Großstadt und auch beim flotten Dahingleiten über Land dank guter Geräuschdämmung akustisch auffallend zurück. Mit 10,8 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 187 km/h Spitze ist der Polo gut unterwegs.

Der doppelte Blechfalz und die betonte Schulterlinie sorgen für Eigenständigkeit des komplett neuen, fünftürigen Volkswagen Polo. (Foto: Dönges)

Aber vor allem im Fahrverhalten zeigt der Kleinwagen, dass er inzwischen ein Großer geworden ist. Die Lenkung ist feinfühlig und zielgenau, der Federungskomfort und das Handling sind straff und ausgewogen. „Selten wirkte ein Kleinwagen so ausgereift und erwachsen“, so die einhellige Meinung der Fach-Journalisten.

Die bis Jahresende folgenden Motorversionen sind eine stärkere Variante des gleichen Dreizylinder-Turbos mit 115 PS sowie das Topmodell GTI mit 200 PS statt der bisherigen 192 PS. Für das kommende Frühjahr ist der aus dem Golf bekannte 1,5-Liter-Vierzylinder-TSI mit 150 PS und Zylinderabschaltung angekündigt.
Noch in diesem Jahr soll es aber auch einen 1,6-Liter-TDI-Diesel, wahlweise mit 80 PS und 95 PS, geben. Der Diesel-Diskussion wird ab Werk mit SCR-Katalysator und Harnstoffeinspritzung Rechnung getragen, um den Stickoxid-Ausstoß zu drücken. Premiere im Polo feiert außerdem der erste Erdgas-Turbomotor mit 90 PS.

[su_heading]Drei Ausstattungen und ab dem Start ein Sondermodell[/su_heading]

 

Wie gewohnt gibt es den Polo in drei Ausstattungen, wobei Komfort und Sicherheit in der Basisversion Trendline (ab 12 975 Euro) ausbaufähig sind. Immerhin, der Front Assist inklusive Fußgängererkennung und City-Notbremse sowie Start-/Stopp-Automatik sind Serie. Klimaanlage und Radio gibt es allerdings erst ab der Comfortline (plus 2175 Euro), Klimaautomatik und 15-Zoll-Alu-Felgen ab der Version Highline (plus 800 Euro). Und weil der TSI-Dreizylinder-Turbo erst ab der Ausstattung Comfortline zu haben ist, kostet er nicht unter 17 200 Euro. Dazu gesellt sich vom Start weg das Sondermodell „Beats“ mit 300-Watt-Soundsystem ab 17 025 Euro.

Die jüngere Generation wird darauf abfahren, wie die Käufer-Klientel jeden Alters auf den erwachsen gewordenen „Golo“ oder „Mini-Golf“ namens Polo. (ld)

 

[su_box title=”Fakten und Technik”]VW Polo 1.0 TSI BMT
Maße: 4,05 m/1,75 m/1,46 m (Länge/Breite/Höhe)
Radstand: 2,55 m
Motor: 3-Zylinder-Turbobenziner, 999 ccm
Leistung: 95 PS bei 5000-5500 U/min
Max. Drehmoment: 175 Nm bei 2000-3500 U/min
Geschwindigkeit: 0-100 km/h 10,8 Sek., max.187 km/h
Verbrauch: 4,4 l (Werksangabe)
CO2-Emissionen: 101 g/km (Euro 6)
Leergewicht/Zuladung: min. 1145 kg/max. 423-521 kg
Kofferraum: 351-1125 lWendekreis: 10,6 m
Basispreis: 17 200 Euro[/su_box]

 

[su_note note_color=”#d1d1ce” text_color=”#000000″]Wegweisende Angebote an Komfort-/Assistenzsystemen
Volkswagen bringt mit dem neuen Polo einen der weltweit modernsten Kleinwagen auf die Straße. Das spiegelt sich unter anderem in der Bandbreite neuer Assistenz- und Komfortsysteme wider.

Durch Assistenzsysteme wie dem Umfeldbeobachtungssystem Front Assist mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, dem Spurwechselassistenten Blind Spot-Sensor, dem Ausparkassistent und der automatischen Distanzregelung ACC wird der Polo zu einem der sichersten und komfortabelsten Fahrzeuge in seinem Segment.

Dank des Modularen Querbaukastens (MQB) punktet der neue Polo mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen, die man bisher so nur von höheren Fahrzeugklassen kennt.

Schon die Grundversion des Polo startet serienmäßig mit dem Umfeldbeobachtungssystem Front Assist inklusive City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung. Darüber hinaus ist die Multikollisionsbremse erstmals Teil der Serienausstattung. Sie soll nach einem Unfall helfen, Folgekollisionen zu verhindern oder deren Schwere zu verringern. Ebenfalls bereits beim Polo Trendline Serie: ein Begrenzer, der die Geschwindigkeit auf ein Wunschtempo einschränkt, um etwa in der Stadt nicht zu schnell unterwegs zu sein. Immer an Bord ist zudem ein Kontrollsystem für den Reifenluftdruck und der Berganfahrassistent, der das Zurückrollen des Fahrzeugs an Steigungen verhindern soll. Auch die Müdigkeitserkennung ist ab der Ausstattungslinie Comfortline serienmäßig.

Optional erhältlich sind Systeme wie die automatische Distanzregelung ACC, die per Abstandssensor die Entfernung und die Relativgeschwindigkeit zu vorausfahrenden Fahrzeugen misst (bis 210 km/h), und der Spurwechselassistent Blind Spot Sensor. Aber auch verschiedene Ein- und Ausparkhilfen wie zum Beispiel der Parklenkassistent Park Assist, die Rückfahrkamera Rear View und der Ausparkassistent, der unter anderem vor seitlich herannahenden Fahrzeugen beim Zurücksetzen warnt, gehören zum optionalen Angebot für den neuen Polo.

Zusätzlich hält mit dem Proaktiven Insassenschutz ein weiteres unterstützendes System Einzug in die neueste Polo-Generation: Es erfasst mit Hilfe von Sensoren kritische Situationen mit erhöhtem Unfallpotenzial und bereitet Fahrzeug und Passagiere zum Beispiel durch die Straffung der Sicherheitsgurte und das Schließen der Seitenscheiben und des Schiebedachs auf eine mögliche Kollision vor.

Käufer solcher Assistenzsysteme sollten aber auch wissen, dass keines den Fahrer von seiner Pflicht, den Wagen eigenverantwortlich zu fahren, entbindet.[/su_note]