Rassiger Sportler in feinem “Zwirn”

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„Unsere Giulia weckt pure Leidenschaft und erzeugt reines Adrenalin“, sagen die italienischen Entwickler von Alfa Romeo, die die legendäre Sport-Limousine wieder zum Leben erweckt haben.

Alfa ist wieder da – und will nach oben. Mit unglaublichen 510 PS und einer Spitze von 307 km/h in der Top-Version Quadrifoglio möchten sich die Italiener von den Mitbewer-bern nicht mehr den Schneid abkaufen lassen. Wir hatten die „Normal-Version“ mit dem 2,2-Liter-Turbodiesel und 150 PS im Fahrtest.

Die Alfa Romeo Giulia ist wieder da. Die Front der Sport-Limousine bestimmt der typische Alfa-Grill, am bulligen Heck sind Falze und hübsch gestaltete Rückleuchten die Hingucker. (Foto: Dönges)

Keine Frage: Alfa Romeo ist hierzulande nach einer langen Durststrecke wieder im Kommen. Und das mit Modellen, die deutlich machen, was den Charme und die Beliebtheit der Marke ausgemacht hat und künftig wieder ausmachen soll. Das kürzlich eingeführte Luxus-SUV Stelvio und die Giulia gehören dazu und machen deutlich, dass Alfa fahren noch immer etwas Besonderes ist.

[su_heading]Handgruß zeugt vom gemeinsamen Gefühl[/su_heading]

 

Deutlich wird dies unter anderem an den neugierig-interessierten Blicken von Freunden und Passanten oder auch am Handgruß von entgegenkommenden Alfisti, wie man ihn sonst nur von Bikern kennt.

Die Giulia jedenfalls hat das Zeug, Alfa hierzulande wieder in eine bessere Zukunft zu fahren – trotz namhafter Konkurrenz wie BMW 3er, Audi A4 oder Mercedes C-Klasse beispielsweise.

Das Auto ist wie aus einem Guss geschnitten und hat seine Schokoladenseite in der Front mit dem typischen, legendären Alfa-Grill (Scudetto). Die Seitenansicht ist ähnlich der der Konkurrenzmodelle.

Das gilt auch für das Heck und den davor liegenden Kofferraum. Die Ladeluke ist knapp geschnitten und erleichtert nicht gerade den Zugang zum ordentlich, aber nicht überdimensionierten Gepäckabteil, das zudem deutlich unterhalb der Ladekante liegt. Wer überhaupt Kritik am Design der flotten Italienerin üben will, ist damit schon am Ende des Lateins angelangt.

Im Innenraum sind feine, hochwertige Materialien sehr gut verarbeitet. Sie unterstreichen eindrucksvoll den komfortabel-sportlichen Anspruch das Alfa. Auf den vier Sitzen herrschen gute Platzverhältnisse. Der „Arbeits-/Vergnügungsplatz“ stellt den Fahrer vor keine Probleme. Schalter, Hebel und Drehregler sind übersichtlich angeordnet, die Instrumente sehr gut ablesbar. Audio- und Infotainmentanlage lassen sich ebenso wie das Navigationssystem über den großen Drehschalter und die daneben liegenden Tasten vor der Mittel-armauflage mit darunter be-findlichem Staufach bedienen und am großen 8,8-Zoll-Bildschirm ablesen.

[su_heading]Knackig und zielgenau durch die Schaltgassen[/su_heading]

 

Im Innenraum ist Komfort angesagt. (Foto: Dönges)

Die Sechsgang-Handschaltung (auf Wunsch Achtgang-Automatik) führt knackig und zielgenau durch die Schaltgassen. Das setzt allerdings voraus, dass sich der Fahrer der Giulia an die breite Fußstütze ge-wöhnt. Wer nicht auf schlankem Fuß unterwegs ist, er-wischt beim Gangwechsel schon mal Stütze und Kupplungspedal gleichzeitig.

Das Multifunktions-Lenkrad liegt bestens in der Hand, ist mit Knöpfen nicht überfrachtet. Die Lenkung selbst ist sehr direkt ausgelegt, dem sportlichen Anspruch des Autos angemessen.

Weniger gut gefallen hat uns der Bedienhebel für die Richtungsanzeiger. Ein kurzes An-tippen des Hebels genügt, um die Blinker zu aktivieren. Wer anschließend das Lenkrad nicht deutlich entgegengesetzt dreht, wird feststellen, dass sich der Blinker nicht automatisch zurückstellt. Insbesondere bei Überhol- und Einschervorgängen auf der Autobahn ist die Technik nervig. Fast immer ist ein zweites Betätigen des Hebels vonnöten, um das Dauerblinken zu unterbinden. Alfa sollte deshalb zur herkömmlichen Arbeitsweise des Hebels zurückfinden.

Das gilt auch für den am Lenkrad platzierten Start- und Stopp-Knopf, der je nach Lenkradeinschlag links, rechts, oben oder unten sitzt.

[su_heading]Turbodiesel ist ein sparsamer Antreiber[/su_heading]

 

Apropos Arbeitsweise: Der Diesel verrichtet seinen Dienst an dem stattlichen Fahrzeug exzellent. Ohne Murren bringt er den Hecktriebler in Schwung, stellt stets genügend Reserven für jede Fahrsituation zur Verfügung und erweist sich auch noch als sparsamer Antreiber. Wir benötigten im Schnitt bei durchaus flotter Fahrweise 6,7 Liter Sprit auf hundert Kilometern – ein or­dentlicher Wert.

Fazit: Die Alfa Giulia kratzt deutlich am Premium-Segment. Die Italiener sind mit dem Auto im besten Sinne des Wortes gut unterwegs. Der Kaufpreis von 34 100 Euro für unser Testwagenmodell ist fair und attraktiv. Wer sich von der Masse der Fahrzeuge in diesem Segment abheben und sich über den einen oder anderen Handgruß Gleichgesinnter freuen will, für den ist die Giulia eine Geliebte, an der auch der Rest der Familie seine Freude haben wird.