Polo kratzt am großen Bruder

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Es gibt Kritiker, die das „einfache“ VW-Design anprangern. Wir meinen: Es ist einfach genial. Die aktuelle Generation des Kleinwagens Polo (und auch die des großen Bruders Golf) wurde mit feinen Federstrichen verbessert, ist auf den ersten Blick als Familienmitglied erkennbar und lässt die Vorgänger nicht alt aussehen.
Das gilt fürs Außen- und Innendesign. Alle Bedieneinheiten sitzen am gewohnten Platz, sind logistisch angeordnet und gut erreichbar. Der Sitzkomfort ist bestens, das Kofferraumvolumen in diesem Segment mehr als annehmbar, die gesamte Verarbeitung top. Alles ist ausgereift. VW wird mit der aktuellen Polo-Generation seinem Ruf gerecht. Fahrspaß in Verbindung mit Komfort und einem durchaus attraktiven Design: Das ist der Polo heute. Im Vordergrund der sechsten Generation des Kleinwagens aber steht das Thema Sicherheit.

Auch im Innenraum hat der Polo viele Detaillösungen vom Golf übernommen - unter anderem das unten abgeschrägte kleine Sport-Multifunktions-Lederlenkrad. (Fotos: Dönges)
Auch im Innenraum hat der Polo viele Detaillösungen vom Golf übernommen – unter anderem das unten abgeschrägte kleine Sport-Multifunktions-Lederlenkrad. (Fotos: Dönges)

Entsprechend verpassten die Wolfsburger ihrem Bestseller Technologie- und Assistenzsysteme aus der automobilen Oberklasse. Wir hatten den dreitürigen Polo BlueMotion in der mittleren Ausstattungsstufe Comfortline mit dem 75 PS leistenden Dreizylinder-Motor mit einem Liter Hubraum und Fünfgang-Handschaltung im Fahrtest. Er kostet serienmäßig 15 400 Euro, in der von uns gefahrenen Version mit zahlreichen Sonderausstattungen (zum Beispiel Klimaanlage „Climatronic“, Multifunktions-Lederlenkrad, Navigation, Rückfahrkamera, 215er Alu-Räder, „Front Assist“ mit Notbremsfunktion, Metallic-Lackierung und weiteren Extras) 20 531 Euro. Der Einstieg in den Kleinen, der inzwischen schon fast an den kompakten Golf heranreicht, erfolgt bei 12 450 Euro – trotz wesentlich mehr Ausstattung gegenüber dem Vorgänger. So stammt das sportliche Lenkrad aus dem Golf, der neue Touchscreen (Bildschirm) ist 6,5 Zoll groß, die Navigation komfortabler und schneller als bisher, und die LED-Scheinwerfer sind in dieser Klasse einmalig auf dem Markt.

Vor 40 Jahren wurde aus dem Audi 50 der VW Polo geboren, „um die Bedürftigkeit an Mobilität zu bedienen“. Mit dem Modellwechsel im Jahr 2001 legte VW mehr Wert auf das Design des Fahrzeugs und ab 2009 auf die technologischen Feinheiten. So verfügt die aktuelle Generation nach bisher insgesamt über 14 Millionen verkauften Einheiten in allen Versionen zum Beispiel über das Start-/Stopp-System und hat entsprechend niedrigere CO2-Werte (in unserem Testwagen 108 g/km, Euro 6).

Bei der Gestaltung des Bestsellers blieb VW seiner bewährten Linie treu. Der Polo ist Polo geblieben, durch feine Retuschen wirkt er erwachsener. Die Front trägt Stoßfänger mit größeren Lufteinlässen, eine Chromzierleiste verbindet die beiden Nebelscheinwerfer, die Integration des Grills in das Design der Scheinwerfer wird ebenfalls durch ein Chromelement unterstützt. Auch das Heck mit den neugestalteten Leuchteinheiten hat eine klare horizontale Gliederung, so dass der Polo insgesamt optisch an Breite gewinnt.

Für einen Kleinwagen bietet der Polo erstaunlich viel Kofferraum zwischen 280 und 952 Litern Volumen. (Foto: Dönges)
Für einen Kleinwagen bietet der Polo erstaunlich viel Kofferraum zwischen 280 und 952 Litern Volumen. (Foto: Dönges)

Innen wartet auf den Fahrer das unten abgeschrägte Dreispeichenlenkrad aus dem großen Bruder Golf. Dahinter sitzt das sehr gut ablesbare Kombi-Instrument in 3D-Optik. Auch die Mittelkonsole ist, VW-typisch, übersichtlich. In der obersten Bedienebene unterhalb der Luftausströmer findet sich eine erweiterte Funktionsleiste, deren Bedienung selbsterklärend ist. In der nächsten Ebene sitzt das Infotainment-Modul mit Radio-CD und auf Wunsch die Navigation. Optional können die Systeme zudem um eine iPod-Integration (Media-In) und eine Rückfahrkamera erweitert werden. Die Sitze sind, wie von Volkswagen gewohnt, nahezu optimal, und auch die Hinterbänkler erreichen ihr Gestühl bei unserem „sportlichen“ Dreitürer durch die weit nach vorne gleitenden Sitze für Fahrer und Beifahrer relativ bequem und können sich über ausreichend Kopf- und Kniefreiheit freuen. Der Laderaum ist mit 280 Litern Fassungsvermögen angemessen groß und kann im Idealfall auf 952 Liter erweitert werden.

Grundsätzlich orientiert sich der Polo bei der Ausstattung nicht an den kleinen Fahrzeugen. VW hat ihm ein breites Spektrum an Komfort- und Assistenzsystemen spendiert. Dazu gehören die automatische Distanzregeleung ACC, die serienmäßige Multikollisionsbremse, die im Falle eines Unfalls das Fahrzeug automatisch abbremst, die Müdigkeitserkennung und das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist mit City-Notbremssystem. Ergänzt werden die technischen Feinheiten durch die optionale Rückfahrkamera „Rear View“ und die elektromechanische Servolenkung sowie das neue Sport Select-Fahrwerk.

Der 75-PS-Dreizylinder ist mit dem 1055 Kilogramm Leergewicht drückenden Polo nicht überfordert. Er treibt den Kleinwagen in 14,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und macht ihn 173 km/h schnell. Volkswagen gibt den Kraftstoffverbrauch kombiniert mit 4,8 Litern/100 km an. Wir verbrauchten mit knapp über fünf Litern nur ein wenig mehr.
„Der aktuelle Polo ist erwachsener, attraktiv, modern geworden und bestens gewappnet für das 40. Jahr seines Bestehens“, sagt Pietro Zollino, der Leiter der VW-Produktkommunikation. Wir widersprechen nicht.